Fotografische Selbstinszenierungen anhand von Beispielen altmeisterlicher Portraitmalerei

Wie kommt man ausgehend von einem Portrait aus der klassischen Malerei zu einem eigenen Fotoportrait im Stile der alten Meister?Und wie ist es, mit einer „echten“ Künstlerin gemeinsam zu arbeiten?  Diese Fragen zu beantworten luden wir die in Wien lebende Künstlerin Stephanie Guse in unsere Klasse ein. Guse inszeniert sich in ihren eigenen Arbeiten auf diese Weise und hat bereits mehrfach an Schulen entsprechende Projekte durchgeführt. Zunächst sprach die Künstlerin vor der Klasse über ihre Arbeit und beschrieb das Prozedere des geplanten Projektes. In zwei Blöcken zu je 4 Stunden wurden dann meist aus Wegwerfartikeln wie Folien und Verpackungen Accessoires und Hintergründe angefertigt, Kleidungsstücke und Kopfbedeckungen erschaffen. Alles immer entlang des Vorbildes aus der Malereigeschichte, aber mit viel Eigenständigkeit und Fantasie! Was heraus gekommen ist konnte sich sehen lassen und wurde in Teamarbeit fotografiert. Die Fotodateien wurden schließlich am Computer weiter bearbeitet bis ein Ergebnis zustande kam, welches die eigene Persönlichkeit anhand eines klassischen Vorbildes in Szene setzt. Auf diese Weise kam es im Rahmen eines Projektes zur Beschäftigung  mit Kunstgeschichte, Fotografie, digitaler Bearbeitungstechnik, sowie kreativem, eigenständigen Gestalten. Die fertigen Fotoabzüge wurden dann beim Schulfest präsentiert und fanden großen Anklang.  (Text und Fotos: R. Edelmann, U. Zachhuber)

Mehrfärbiger Linoldruck

Der Linolschnitt ist eine grafische Technik, ein Hochdruckverfahren, das dem Holzschnitt ähnelt. Nicht zu druckende Stellen werden mit Linolmesser aus der Linoleumplatte herausgenommen. Das Material lässt sich sehr leicht und in alle Richtungen schneiden.  Beim Linolschnitt arbeitet man mit der Negativform eines Bildes. Das, was in der Vorzeichnung schwarz ist, ist später im Druck weiß und umgekehrt. Durch das Übereinanderdrucken von zwei oder mehr Farben entstehen farbige Linolschnitte, der sogenannte Mehrfachdruck. Mit transparenten Farben lassen sich im Übereinanderdruck auch Zwischenfarbtöne durch Mischung erzeugen. Im Laufe der Zeit wurden verschiedene Verfahren entwickelt. Partielles Einfärben einer einzigen Platte mit mehreren Farben oder das Passgenaue Drucken mit mehreren, verschieden eingefärbten Platten sowie der sogenannte Eliminationsdruck. Der Holzschnitt wurde vor allem von Künstlern des Expressionismus geschätzt. Mit Linolschnitt haben Künstler wie Pablo Picasso, Henri Matisse und Maurice de Vlaminck gearbeitet.

Viel Spaß beim Betrachten der Linoldrucke unserer SchülerInnen. Zunächst entstanden mehrfärbig gedruckte Naturstudien von „Herbstlichen Blättern“. Für das Schulfest-Motto „Zeitsreise“ entstanden mehrfärbig gedruckte Arbeiten, die jeweils ein anderes Sprichwort zum Thema „Zeit“ illustrieren sollten. (Text und Fotos: R. Ritscher)

Cyanotypie – ein fotochemisches Experiment

Bei der Cyanotypie handelt es sich um eine fotografische Belichtungstechnik, die bereits 1842 vom englischen Naturwissenschaftler und Astronom Sir John Herschel zum ersten Mal angewandt wurde. Die Cyanotypie war das dritte Verfahren nach der Daguerreotypie und Talbotypie/Kalotypie zur Herstellung von stabilen fotografischen Bildern. Belichtet wird bei dieser Technik nicht in der Dunkelkammer, sondern ganz einfach mit Sonnenlicht bzw. mit einer UV-Lampe. Ein weiterer Unterschied zur üblichen Fotobelichtung ist die blaue Farbe. Durch das Zusammenwirken der beiden Hauptchemikalien (Kaliumhexacyanidoferrat(III) und Ammoniumeisen(III)-citrat) entsteht eine lichtempfindliche Flüssigkeit, die auf Papier, Stoff oder Holz aufgetragen wird. Beim Trocknen wird die Beschichtung lichtempfindlich. Die Belichtung erfolgt unter einen Schatten werfenden Gegenstand als Fotogramm (Gegenstand, Pflanze etc.) oder mit einem Negativ durch UV- oder Sonnenlicht. An einem bedeckten Tag beträgt die Belichtungszeit mit Tageslicht 10-20 Minuten. Wird das Material nach der Belichtung unter fließendem Wasser ausgewaschen, entsteht an den Stellen, die mit UV-Strahlung in Berührung gekommen sind, ein wunderschöner satter Blauton und die unbelichteten Stellen waschen sich aus und bleiben weiß. Bekannt wurde diese Technik besonders durch Anna Atkins, eine britische Naturwissenschaftlerin, die in ihren Büchern Farne und Pflanzen mit Cyanotypien dokumentierte. (Text und Fotos: R. Ritscher)